Mittwoch, 5. Mai 2010

Tag der Hebammen

Heute am 5. Mai feiern wir gemeinsam mit unseren Hebammen, den Tag der Hebamme :-) - wenn jedoch die geplanten steigenden Haftplichtprämien für Hebammen Realität werden, dann wird es vielleicht demnächst keine einzige Hebamme in Deutschland mehr geben, die diesen wichtigen Beruf ausüben kann :-(

Heute Nachmittag fand hier in Hoffnungsthal, wie jedes Jahr am 5.Mai, im "Stadtpark" ein Picknick der Hebammenpraxis statt, mit allen Kindern und Eltern die mit "unseren" beiden Hebammen entbunden haben :-). Das Wetter war uns gnädig, und wir haben lange beieinander gesessen und geplauscht, Frauen wieder getroffen die wir nun eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatten und die Kinder haben wunderbar gespielt auf den Wiesen. Richtig schön war es :-). Über die Hebammenpraxis haben wir Kontakte geschlossen, die lange über die Zeit der Geburtsvorbeitung und der Krabbelgruppe hinaus halten werden. Es ist schön das es diesen Ort hier gibt!!!

Heute haben in vielen Deutschen Städten Kundgebungen der Hebammen statt gefunden.
Lilli und ich sind schon heute morgen mit unserer Hebamme gemeinsam, zur Kundgebung im Köln auf dem Roncalliplatz, gefahren. Die Stimmung dort war unter Müttern und Hebammen gleichermaßen wütend und kampfbereit.Denn Hebammen arbeiten heute schon zu einem sehr schlechten Stundenlohn und zumindest hier im ländlichen Gebiet gibt es schon jetzt zu wenige Hebammen als das jede Mutter die dies wünscht während der Geburt von einer Beleghebamme betreut werden könnte. Die Hebammen können den Bedarf nicht abdecken und so gehen viele Frauen ohne eine Beleghebamme ins Krankehaus, oder können keine Hausgeburt haben da es schlicht und einfach an Hebammen fehlt die uns begleiten würde. Auch ich werde aus diesem Grund meine zweite Geburt im August, gezwungener Maßen mit einer fremden Hebamme im Krankenhaus "hinter mich bringen müssen" obwohl ich mir eingendlich sehr eine Hausgeburt mit "meiner Hebamme" wünschen würde.

Seit heute gibt es eine e-Petition an den Bundestag in der gefordert wird, das der Bundestag die Grundlagen für eine flächendeckende Versorgung von Schwangeren durch Hebamme ermöglicht, an Stelle des aktuell drohenden Zenarios das die meisten Hebammen es sich nicht mehr leisten könnne in der Geburtshilfe zu arbeiten.
Ohne Hebamme könnte ich mir nicht vorstellen ein Kind zu gebären !! Und ich denke so geht es fast allen Frauen die gerne ein Kind bekommen wollen.
Eigendlich schade das heute nur ca. 1000 Menschen auf der Demo waren :-(, eingendlich sollten es viel mehr sein. Denn es sind viel mehr Frauen als nur die Hebammen betroffen!!

Hier geht es zu Online-Petion des Bundestages .
Derzeit gibt es erst 12615 Mitzeichner, es sind aber viel mehr Nötig!!!

Aus dem Text der Petiton:
"Steigende Haftpflichtprämien u. unzureichende Vergütung zwingen Hebammen zum Aufgeben der Geburtshilfe. Dadurch kann die flächendeckende Versorgung nicht mehr sichergestellt werden. Nach der Einführung u.a. des § 116 SGB X sind die Krankenkassen dazu übergegangen Regressabteilungen zu beschäftigen. Sie sollen bei teuren Behandlungsfällen gezielt dafür sorgen, die zu erwartenden Kosten der Sozialversicherungsträger gegenzufinanzieren. 1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 €, incl. Geburtshilfe, versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2370 €) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben Schwangerenvorsorge u. der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anbieten, auf 23%. Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie für das Berufsrisiko Geburtshilfe auf 3689 € ab 1.7.2010 ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen. Das Problem betrifft freiberufliche u. angestellte Hebammen. Auch Angestellte müssen aus ihrem Gehalt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen, weil Klinikträger zu niedrige Deckungssummen versichern. Durch Personalabbau steigt das Haftungsrisiko, weil Hebammen mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen. " Die Entlassung der Hebammen in die eigenverantwortliche Vergütungsverhandlung mit den Krankenkassen in 2006 erfolgte mit einem Rückstand in der Anpassung der Honorare. Die gleichzeitige Vorgabe aus § 71 SGB V (Beitragsstabilitätsgesetz), vergrößert diesen Rückstand. Die Ausnahmeregelungen nach § 71 SGB V (Abs. 1-2) greifen nicht, da keine Daten vorliegen u. kein Sicherstellungsauftrag zur Durchsetzung des Rechtes auf Hebammenhilfe nach § 196 RVO besteht. Durchschnittlich erzielt eine freiberufliche Hebamme 23,300 € Umsatz im Jahr. Das real zu versteuernde Einkommen liegt im Schnitt bei 14,150 € im Jahr, bzw. 7,50 € Netto pro Stunde. Für die Durchführung einer Geburt erhält die Hebamme ein Bruttohonorar von: 224,40 € für die Beleggeburt 367,20 € für die Geburt im Geburtshaus 448,80 € für die Hausgeburt Als Ausgleich für gestiegene Haftpflichtprämien wurden von den Kassen 4,39 € für Beleggeburten u. 14,19 € für außerklinische Geburten geboten. Die Gesamtsumme der Gebühren für Geburtshilfe wird ab dem 1.7.2010 ausschließlich die Haftpflichtprämien decken - ohne dass ein Verdienst für die Hebamme übrig bleibt! Die Zentralisierung der Geburtshilfe in perinatologischen Zentren benötigt ein Gegengewicht von wohnortnaher Versorgung für gesunde Schwangere u. eine intensive Weiterbetreuung nach der heute üblichen Frühentlassung. Doch immer mehr kleinere Krankenhäuser sind gezwungen ihre geburtshilflichen Abteilungen zu schließen, weil weder Beleghebammen noch - ärzte ihre Prämien zahlen können. Die Politik wird deshalb aufgefordert Abhilfe zu schaffen. Wenn die Bundesregierung ihrer Verpflichtung nachkommen will eine flächendeckende Versorgung zu garantieren, sind Sofortmaßnahmen zu ergreifen."

7 Kommentare:

  1. Oh ja!
    Von dieser Petition habe ich schon mehrfach gelesen und werde sofort mitzeichnen!
    Echt unglaublich und nicht auszudenken!!!

    lg Beltane

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  2. 17565 Mitzeichner ;-)

    Hoffen wir dass es hilft...

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  3. Die ganzen wichtigen Berufe haben es so schwer.
    Schlimm.

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  4. Ich hoffe ganz doll, dass die 50.000 (oder besser noch mehr!) erreicht werden. Finde das sehr, sehr wichtig.

    LG
    Sianna

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  5. Also ehrlich gesagt glaube ich, daß diese Petition einen Rekord hinsichtlich der Anzahl der Mitzeichner brechen dürfte.
    Nach 2-3 Tagen schon über 20.000 zu sein ist echt wahnsinn *freu*
    Übrigens hat es die Petition auch in die Presse geschafft, das dürfte nochmals Publikation nach sich ziehen ;-)

    http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1270457792954.shtml


    Liebe Grüße,
    Beltane

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  6. Die Petition wird heute sogar in unserer Provinzzeitung erwähnt. Hoffentlich unterzeichnen auch viele. Und noch mehr hoffe ich, dass es überhaupt etwas nützt. Leider habe ich noch nie gehört, dass durch eine Petition etwas bewirkt wurde. Kennt ihr da auch nur einen Fall? Würde mich freuen.
    Andererseits: wie anders kann man sich wehren?
    Liebe Grüße
    Alruna

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  7. @Alruna: ich habe nicht genug Erfahrung mit Internetpettitionen um da wirklich etwas zu sagen zu können.
    Die andere die ich unterschrieben habe war die gegen die Internet-Zensur. Das Gesetzt ist zwar im Moment vom Tisch aber ich weiß nicht in wie weit das wegen der Petition geschehen ist oder doch nur auf Grund des Koalitionsvertrag von CDU und FTP ....
    Trotzdem denke ich das so eine Petition eine gute Möglichkeit ist Einspruch zu erheben und sich mit anderen zu vernetzten. Denn sehr viel bessere Ideen außer Demos und Petition, Emails an Bundestags Abgeordnete (gerade jetzt wo wir hier in NRW ja Wahlkämpfen) fallen mir dann auch nicht mehr ein.

    ABER: Heute Abend sind die 50.000 Unterschriften erreicht worden, sprich die Initiatorin des Petition wird auf jeden Fall zu einem Gespräch mit den Petitionsausschuss eingeladen werden. Und so viele Unterschriften in so kurzer Zeit finde ich schon ein ziemlich deutliches Zeichen an unserer Regierung, zumal wenn man mal vergleicht was andere Petitionen so zusammen bekommen ;-)

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Danke für deinen Kommentar